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Prerow, 29. Juni 2005. „Heute wollen wir Farben suchen“, fordert Heike Lawrenz die kleine Schülergruppe auf, die abwartend vor ihr steht. Lawrenz ist nicht Kunstlehrerin, sondern Rangerin im Nationalpark. Und sie steht mit den Kindern auch nicht im Klassenzimmer, sondern mitten im Erlenbruch am Prerower Strom. Jeder bekommt ein weißes Stück Pappe, auf das er Blätter verschiedener Pflanzenarten kleben soll. Die Kinder brauchen hier im Erlenbruch nur ein paar Schritte weit gehen, um unterschiedliche Blattformen und Farben zu finden. Da sind die Blätter der Buchen und Ebereschen, der am Boden wachsenden wilden Brombeere und Sternmiere oder des Waldgeißblattes, das eine bei uns heimische Liane ist, wie die Rangerin erklärt. Auf die weißen Pappen geklebt sehen die Blätter nicht nur sehr dekorativ aus. Auch die unterschiedlichen Formen und Grüntöne werden so deutlicher. Ein Stück weiter entdeckt die Gruppe ein blühendes Waldgeißblatt. Der Ranger Lutz Storm, der zusammen mit Heike Lawrenz die Schüler begleitet, fordert sie auf, an den Blüten zu riechen. Einen Menschen würde der leicht unangenehme Duft nicht anlocken. Dafür aber Nachtfalter, die mit ihren langen Rüsseln den Nektar aus dem sehr tiefen Blütenkelch saugen, wie Storm erklärt. Über Sinneseindrücke Erfahrungen machen und lernen ist ein wichtiges Ziel der Arbeitsgemeinschaft der Junior-Ranger, die seit diesem Jahr im Nachmittagsunterricht der Prerower Gesamtschule angeboten wird. Die Junior-Ranger sollen die Natur ihrer Region aber nicht nur hautnah erleben, sondern auch von denen lernen, die tagtäglich in und für die Natur arbeiten. Dieses Konzept gibt es in anderen Nationalparks schon länger. Die Verantwortlichen des hiesigen Nationalparkamtes griffen die Idee auf und fanden mit der Prerower Gesamtschule einen engagierten Partner. Bei den Prerower Schülern steht Umweltbildung sowieso auf dem Lehrplan. Anhand anschaulicher, lokaler Beispiele lernen sie verantwortlich mit Umwelt und Natur umzugehen und in höheren Klassen auch zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten abzuwägen. „Damit die Kinder das, was sie theoretisch bei uns lernen, auch später leben, braucht es mehr als das Wissen“, ist Michael Möbius überzeugt, der an der Gesamtschule den Umweltunterricht gibt. „Um zum Beispiel die Natur als Wert zu begreifen, bedarf es solcher Erlebnisse, wie sie bei den Junior-Rangern vermittelt werden“, ergänzt er. Für die Nachwuchs-Ranger ist es heute erst die zweite Tour. Beim ersten Mal haben sie die unterschiedlichen Höhleneingänge der verschiedenen Spechtarten untersucht. Beim nächsten Termin wird die Gruppe im geschützten Teil des Nordstrandes Muscheln und Vegetation untersuchen. Man merkt, dass es den beiden erwachsenen Rangern Freude macht, den Kindern die Natur zu zeigen und ihr Wissen ganz nebenbei weiterzugeben. „Vielleicht werden die, die dabei bleiben, in ein paar Jahren neue Junior-Rangern durch unseren Nationalpark führen“, wünscht sich Lutz Storm.
Nicole Knapstein

Lutz Storm erklärt einer Junior Rangerin die verschiedenen Blattarten
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