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Besuch des Jagdgeschwaders 73 „Steinhoff“

Am 11. November 2008 besuchten die 10. Klassen im Fliegerhorst Rostock-Laage das Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“. Der Tag gestaltete sich zu einem spannenden Erlebnis nicht nur für Militär- und Technikfans. Ohne den Aufenthalt auf dem Militärgelände als Unterricht wahrzunehmen, lernten wir ein ganze Menge und konnten unsere Kenntnisse in vielen Fächern, z. B. Sozialkunde, Geschichte, Wirtschaft, Umwelt, Ethik und Physik, bereichern.

Vorbereitet hatte Kapitänleutnant Böhm unsere Exkursion mit einem Vortrag zu den Auf­gaben der Bundeswehr und der NATO in der Gegenwart. Intensiv informierte er uns über die aktuelle weltpolitische Situation und die Sicherheitslage in Europa. Der Besuch in Laage war also als praktischer Teil zu verstehen, denn dort wurden Politik und Wirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes fassbar.
 

Natürlich regte der Besuch auch dazu an, sich über den Sinn und die Notwendigkeit mili­tärischer Verteidigung Gedanken zu machen. So wurde durch die Vorträge und Berichte der dortigen Militärspezialisten deutlich, dass sich nach der Überwindung des Kalten Krieges die Bedrohungslage für die westlichen Demokratien gänzlich geändert hat.

Diese Tatsache erforderte Änderungen in der Militärdoktrin der NATO und deren Mitglieds­länder. So spielt die Luftverteidigung heute und in Zukunft eine besondere Rolle. Das ist eine historische Lehre aus den Anschlägen vom 11. September 2001 und ergibt sich außerdem aus den Gefahren, die von den Unterstützerstaaten des internationalen Terrorismus ausgehen.
Insofern hat der Flugplatz in Laage eine große Bedeutung. Da Laage als Ausbildungsbasis für Eurofighterpiloten dient, wird ein Teil der Maschinen für Ausbildungszwecke genutzt. Oberstabsfeldwebel Alfons Hütten hat uns gleich nach unserer Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt einen interessanten und mit einer Power-Point-Präsentation gut illus­trierten Einführungsvortrag gehalten und noch mehr Neugier erzeugt, denn es gab jede Menge Informationen zu den Kampfflugzeugen – und oft war unser Erstaunen groß.

 

 So zum Beispiel als wir hörten, dass der Eurofighter vom Abheben von der Landebahn bis zu einer Höhe von 10.000 Metern nur zwei Minuten benötigt. Interessant war es auch, etwas über die am Flugzeug und an den Piloten wirkenden Kräfte zu erfahren. Mit 9 g ist ein Flug mit dem Eurofighter eine Höchstleistung für Mensch und Material. Die Piloten müssen deshalb Spezialkleidung tragen, um während des Fluges nicht ohnmächtig zu werden. Immerhin brin­gen die Turbinen zusammen eine Leistung von 70.000 PS. Damit kann eine Maximal­ge­schwindigkeit von Mach 2+ erreicht werden. Beachtlich sind auch das Startgewicht von 23 Tonnen und die Tatsache, dass das Jagdflugzeug zu 60 Prozent aus Kohlefaser und Kunststoff besteht.

Als wir dann die Gelegenheit erhielten, in einem Hangar einen Eurofighter aus der Nähe zu betrachten und Fragen an das technische Personal zu stellen, entwickelten sich aus den zahlreichen Fragen auch interessante Diskussionen. So wurde auch die Frage laut, ob es denn wirklich notwendig sei, soviel Geld für die Rüstung auszugeben und ob man da nicht auch sparen könne. Auch die eine oder andere pazifistische Ansicht wurde natürlich geäußert und ethische Bedenken in Feld geführt – also alles wie im richtigen Leben. Was aber wichtig war – die Diskussion wurde sachlich und mit viel Subtanz geführt. Somit war auch dieser Teil unserer Exkursion eine wahre Bereicherung für alle. Ein Erinnerungsfoto vor dem Eurofighter wurde uns dann doch trotz der militärischen Geheimhaltung erlaubt.

Nachdem wir alle auch noch einen Blick in das Cockpit der Kampfmaschine werfen durften fuhren wir mit dem Bundeswehrbus eine große Runde übers Flughafengelände und statteten dem Tower einen Besuch ab. Unspektakulär und dennoch interessant. Wer hat schon in seinem Leben einmal die Chance auf einem solchen Flugkontrollturm zu stehen und den Fluglotsen bei der Arbeit über die Schultern zu schauen. Die Offiziere informierten uns über ihre Arbeit und sprachen auch über die Verbindung von ziviler und militärischer Nutzung des Flughafens.
Zum Schluss kamen wir dann auch noch in den Genuss eines ganz normalen, aber durchaus schmackhaften Bundeswehressens. Insgesamt betrachten wir alle diese Exkursion als eine wichtige Bereicherung des Unterrichts. Wir konnten einen Teil der politischen und wirtschaftlichen Realität aus nächster Nähe be­trachten, mit Experten reden und viele Fragen stellen. Außerdem erhielten wir die Gelegen­heit, selbst einmal über militärische Berufe nachzudenken.