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Auch England ist Europa
Sprach- und Bildungsreise mit
Senlac Tours auf die Insel
18. April bis 23. April 2010
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„Das war
´ne tolle Reise – viel erfahren von den Engländern.“
„Klasse, wir haben echt viel gesehen und gelernt.“
„Sogar die Freizeit hatte ein gutes Timing, so konnten wir uns selbst
umsehen und Erfahrungen zum Beispiel mit der Sprache sammeln.“„Einwandfreie
Idee, dass wir in Familien gelebt haben – hätte ruhig noch mehr Zeit sein
können.“
Das sind nur einige Meinungen über unsere Studienreise nach Südengland. Auf
der Tagesordnung standen Canterbury, Hastings – wo wir auch wohnten –
Battle und London. Aber natürlich war schon die Anreise mit dem Bus über das
Ruhrgebiet, durch die Niederlande, Belgien und Frankreich ein kleines
Erlebnis, auch wenn wir natürlich einen Teil der Nachtfahrt zum Schlafen
genutzt haben. |
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In Calais wurde es dann
richtig spannend: Waren es doch viele von uns bei Reisen durch Europa
gewöhnt, gar keine Grenzen mehr wahrzunehmen, sollte es uns hier
möglicherweise richtig treffen. Jedenfalls hat uns unser Busfahrer
vorgewarnt, dass neben der intensiven Personenkontrolle möglicherweise sogar
eine Gepäckkontrolle stattfindet. Warum das im vereinten Europa?
Großbritannien ist nur ein so genannter Teilanwenderstaat des Schengener
Abkommens. Damit ist es berechtigt, an seinen innereuropäischen Grenzen
entsprechende Grenzkontrollen vorzunehmen. So schlimm wurde es dann aber für
uns nicht.
Stattdessen wurde uns mitgeteilt, dass unser Bus die nächste Fähre nicht
benutzen könne. Die Gefahr war real, denn auf Grund des verstärkten
Reiseverkehrs auf den Straßen – der Flugverkehr war wegen des
Vulkanausbruchs auf Island in halb Europa zeitweilig ausgesetzt worden – war
der Platz auf den Fähren sehr rar geworden. Dank des großen
Verhandlungsgeschicks unseres Busfahrers ging es dann doch pünktlich
weiter. |
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Aber auch diese kleine
Angstphase hatte etwas Lehrreiches: Sahen wir doch, wie sensibel die
Infrastruktur Europas ist, und welche Auswirkungen Naturkatastrophen auf die
Planung von Millionen von Menschen haben können, von den wirtschaftlichen
Konsequenzen ganz zu schweigen.
 
Aber auf der Insel angekommen hatten wir dies schon fast wieder vergessen.
Der Anblick der Kreidefelsen von Dover weckte Erinnerungen an die eigene
Heimat. Das Wetter empfing uns mit großem Charme: Die Temperaturen waren
angenehm, der Wind wehte mäßig und es war trocken. Die ersten Rapsfelder,
die wir erspähten, waren schon gelb, die Natur war also weiter als in
unserer norddeutschen Heimat.
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So konnten wir uns auf eine
wundervolle Stadtführung durch Canterbury, der würdevollen Bischoffsstadt in
der Grafschaft Kent, freuen. Damit waren wir auch mitten im Zentrum der
Anglikanischen Kirche Englands. Nicht nur während der Führung wurden uns
manche Erinnerungen aus dem Geschichtsunterricht noch einmal bewusst. Wir
lernten auch viel über die Unterschiede der Anglikanischen Kirche zu den
reformierten Kirchen auf dem Kontinent.
Am stärksten beeindruckt hat uns zweifellos der Besuch der Kathedrale von
Canterbury. Sie geht bautechnisch auf das 11. Jahrhundert zurück und
erlangte ihre größte Berühmtheit durch den Mord an Thomas Becket im Jahre
1170.
Wir erfuhren auch, dass trotz der deutschen Luftangriffe im Zweiten
Weltkrieg große Teile der historischen Altstadt erhalten geblieben sind und
sich die Stadt damit einerseits den Charme der Vergangenheit erhalten
konnte, sich aber gleichzeitig zu einer modernen Stadt entwickelte. |
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Der Dienstag und der Mittwoch standen
ganz im Zeichen Londons. Quer durch Kent ging es direkt in die größte Stadt
Europas. Über 8,4 Millionen Menschen leben im Kerngebiet der Metropole, über
14 Millionen sind es insgesamt in der Metropolitan Area. Das sind schon
unvorstellbare Ausmaße für uns Mecklenburger und Vorpommern.
Die Stadtrundfahrt dauerte über zwei Stunden und wir brauchten dazu unsere
Englischkenntnisse. Wir hatten aber durchweg den Eindruck, dass alle
Mitschüler auch weitestgehend verstanden, was uns der tolle Guide – er
stellte sich als Vic vor - da vorne erzählte. Man merkte es aber auch, wie
er sich bemühte: Das war ein sehr gepflegtes und auf unseren Sprachstand
angepasstes Englisch. Vielleicht verging die Zeit auch deshalb so schnell
und wir waren bis zur letzten Minute voll konzentriert.
Es gab viele und interessante Informationen, die wir sicherlich auch im
Englisch- oder Geschichtsunterricht immer wieder einsetzen können. Und
sicherlich kann ein Einheimischer dies am besten vermitteln. |
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Dann war natürlich der Besuch des
Towers die Attraktion schlechthin. London ohne Towertour und ohne
Kronjuwelenbesichtigung ist ja undenkbar. Es ist schon ein erhabener Moment,
diese Pracht zu betrachten. Es war nicht sehr voll und so nutzen einige
Schüler die Chance gleich mehrfach, an der royalen Herrlichkeit mit dem
Laufband vorbeizufahren.
Ein Fußmarsch führte uns dann auf die andere Seite der Themse, über die
Tower Bridge. Zielpunkt war das London Dungeon. Die Show dort lag zwischen
der notwendigen Anrufung der Geister der englischen und Londoner Geschichte
und viel Klamauk. Aber eines erzielte sie perfekt: Einen unglaublichen
Gruseleffekt. Kaum einer von uns blieb davon unberührt. Dieses
Gruselkabinett befindet sich übrigens unter dem Bahnhof London Bridge.
Die Stunden Freizeit die dann folgten nutzte jeder wie er wollte: Fahren mit
der Underground oder Spaziergänge in der City of London, eine Fahrt mit dem
London Eye…
Bei unseren Gastfamilien konnten wir an den drei Abenden das Leben der
Engländer studieren. Es ist schon etwas anders als auf dem Kontinent: Das
Verhalten, das Essen, die Wohnungen, die Lebensmodelle… Aber eines ist
sicher: Auch die Briten sind Europäer. Für uns war es eine wichtige
Erfahrung mit den Leuten zu reden, über ihr und unser Leben in den Austausch
zu kommen. Auch wenn wir um so viele Jahre jünger sind als unsere
Quartiergeber, wurden wir doch ernst genommen. Es war für uns natürlich auch
eine Selbstbestätigung, dass wir mit unserem Schulenglisch wirklich etwas
anfangen konnten. Ein Dank an unsere EnglischlehrerInnen. |
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Der zweite Tag in London stand ganz im
Zeichen der Geografie, oder genauer gesagt der Längengrade. In Greenwich
konnten uns über die Geschichte der Bestimmung der Längengrade im 18.
Jahrhundert informieren und uns letztendlich stolz auf dem Nullmeridian
präsentieren.
Eine Fahrt auf der Themse ermöglichte uns eine andere Perspektive auf die
Stadt. Uns wurde klar, dass die alte ehrwürdige Stadt letztendlich eine
hochmoderne, lebendige Metropole der Gegenwart ist. Man braucht nicht viel
Vorstellungskraft, um zu wissen, dass hier viele der wichtigsten
finanzpolitischen Entscheidungen von europäischer und weltweiter Bedeutung
getroffen werden. Sicher zum Guten wie zum Schlechten. |
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Wir waren immer wieder beeindruckt von
der Vielfalt der Architektur. Wir rätselten darüber, wie es sich wohl in
London lebt – als Normalbürger, versteht sich?
Natürlich durfte ein Besuch des Buckingham Palace ebenso nicht fehlen wie
der Westminster Abbey und des Houses of Parliament mit dem Big Ben.
Der Rest des Tages stand uns zur freien Verfügung: British Museum,
Naturkundemuseum, Shopping in der Oxford Street oder in der Portobello Road,
Undergroundfahrten und auftauchen wo man will.
Sicherlich war unseren Lehrern nicht ganz wohl dabei. Aber wir wussten uns
zu orientieren und waren erneut alle pünktlich am vereinbarten Treffpunkt.
Was uns auffiel, ist die Tatsache, dass London wirklich eine multikulturelle
Stadt ist. Menschen unterschiedlichster kultureller Herkunft leben friedlich
und offenbar auch wirtschaftlich erfolgreich miteinander.
Wesentlich weniger friedlich war der Hintergrund des Besuches in Battle am
letzten Tag unserer England-Visite. Der Ort liegt nur acht Kilometer von
Hastings entfernt und gehört ebenfalls zu East Sussex. Hier fand 1066 die
legendäre Schlacht von Hastings statt, in der die französischen Normannen
erstmals über die Angelsachsen siegten. Weit über 6.000 Menschen sind in
diesem Gemetzel gefallen. 15.000 Menschen waren gegeneinander angetreten.
Letztendlich besuchten wir auch noch die Schmugglerhöhlen von Hastings.
Obwohl das Museum ein wenig zu stark auf Spektakel setzte konnten wir uns
anschaulich über das Schmugglergeschäft an der englischen Kanalküste in
Vergangenheit und Gegenwart informieren. Und ein wenig dämmerte es uns
spätestens jetzt, warum Großbritannien dem Schengener Abkommen nicht
beigetreten ist - und trotzdem ein Stück Europa ist. |
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